Was sind eigentlich Superkarts ? und was macht unsere Truppe?

Superkarts sind Karts der Rennklasse 250 ccm . Diese werden auf sogenannten Langbahnen, wie Hockenheim ,Oschersleben, Nürburgring, Sachsenring, Belgien, Frankreich und England gefahren. Zwei Divisionen stehen zur Auswahl.

DIVISION 1 : 
Gesamtgewicht incl. Vollverkleidung und Fahrer 215 KG
Die 250 ccm 2 Zylinder 6-Gang-Getriebe-Motoren haben ca. 100 PS Leistung bei 14.000 U/min. Sie kommen aus dem Motorradrennsport z.B. Yamaha  TZ250 oder Rotax 256. Von anderen Motorbauern wurden dieses Prinzip nachgebaut und modifiziert.
Es werden Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 280 km/h erreicht und der Beschleunigungswert von 0 auf 100 liegt unter 3 sec.

DIVISION S(ingle) :
Gesamtgewicht incl. Fahrer 205 Kg. Die 1 Zylindermotoren 250 ccm kommen ursprünglich aus dem Motocrossbereich (Rotax 257, Cagiva, Honda, Kawasaki, KTM, TM, Suzuki und Yamaha).
Hier gibt es ca. 58 PS Leistung an der Hinterachse bei 10.000 U/Min. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ca. 245 Km/h, die Beschleunigung liegt unter 4 Sek. auf 100.

Diese Einsteigerklasse gibt das beste Verhältnis Adrenalin zu den Kosten.

Karts der Division 1 kosten ca. 25.000 €, Motore ca. 12500 € die Motore müssen nach einer Stunde Betriebszeit neue Kolben und nach ca. 3-4 Std. neue Kurbelwellen bekommen. Somit ist eine Saison für die meisten Leute unbezahlbar.

Alternativen für den gleichen Fahrspaß und gleichem Adrenalin aber bezahlbar:
Um die Kosten in normalem Rahmen zu halten haben sich verschiedene Leute nach günstigeren Alternativen umgesehen und wurden auch schnell fündig.
So baut die Firma Hirth, Motore für ultraleichte Flugzeuge, die demzufolge sehr wenig wiegen ( 20 kg) und durch ein Zylindervolumen von 630 ccm im Serienzustand stattliche 60 PS und ein wahnsinniges Drehmoment aus zwei Zylindern hervorbringen. Findige Tuner haben den Dingern sofort einige PS mehr entlockt und haben sie mit einer Fliehkraftkupplung oder einem Getriebe versehen. Ein normales Kart schieben diese Geräte mit mächtig Dampf nach vorne.

Also: wir haben jetzt ein Kart, aber wir dürfen mit dem Teil nirgendwo fahren, weil wir auf Kartbahnen viel zu schnell sind, es aber auch keine Rennklasse für diese Teile gibt.

Jetzt müssen wir uns schnellstens etwas einfallen lassen, haben sich einige Leidensgenossen gedacht und einen Club gegründet. Sie nannten den Club nach ihren Motoren, Hirth Speed Club e.V.
Seit ca. 3 Jahren hat dieser Club seine Aktivitäten eingestellt und Veranstalter von Motorrad Sicherheitstrainings- und Testtagen bieten uns die Möglichkeit an ihren Veranstaltungen teilzunehmen, so z.B. die Fa. Dunn Racing.
Somit ist es möglich, Rennstrecken incl. Streckenposten und Krankenwagen , tageweise anzumieten.
Jetzt haben alle Spinner Deutschlands und Umgebung (ca.60 Personen) die Möglichkeit, ihre Powerkarts, nach Herzenslust um die Strecke zu prügeln. Und wenn ich sage Powerkarts so meine ich Geräte mit 1000 ccm Kawasaki- Motoren mit 180 PS, mit denen ein Kart wirklich überfordert ist, wenn die 300 km/h nahezu erreicht werden.
Als Dragster sind die Dinger super , aber zum Fahren auf der Rennstrecke sind dies keine Karts im eigentlichen Sinne mehr, und dies sind auch ganz wenige Ausnahmen.
Alle Anderen so wie unsere Truppe Otto Zinner , Michael Zinner, Stefan Hammelehle und Klaus Bäcker, spinnen im normalen Rahmen.
Bei der ersten Veranstaltung die ich mir in Hockenheim angesehen habe, war mir sofort klar, daß dies meine Veranstaltung war.
Hier war es möglich in einem eigenen Rennfahrzeug, das durch die Verwendung von Serienteilen, einigermaßen preiswert zu bauen ist , Spaß ohne Ende zu haben, und zudem ist es noch eine Herausforderung so ein Gerät zu bauen. Schnell und schön soll es sein; nein, perfekt soll es sein und kosten soll es auch nicht viel.

Also nehme man folgende Zutaten:
Ein gebrauchtes Mach 1 Getriebe-Kart, einen 2 Zylinder Yamaha 350 Motor, (wegen des geilen Klangs), genügend Wasserkühler, Benzinpumpen, eine Eigenbau-Auspuffanlage und ein paar Glasfaser-Teile.
Irgendwie befestigt man den Motor am Fahrwerk und ab geht’s. Hört sich gut an, um aber ein fahrsicheres Gerät auf die Beine zu stellen, das bei 250 km/h nicht abhebt und einem Motor mit 60-90 PS gerecht wird, beherrschbar und dennoch richtig schnell ist, bedarf es einiger Stunden Arbeit und ganz billig ist es dann doch nicht. Bei der ersten Ausfahrt war der Fahrspaß zwar riesig aber max. 208 km/h waren dann doch nicht das Gelbe vom Ei.Also wurden dem Motor mit Hilfe von Profi-Tunern und viel Hightech im Winter 80 PS eingehaucht. Jetzt geht das Ding in Hockenheim ca. 240 und es kommt echtes F1-Feeling auf, besonders wenn´s Eingang Motodrom mit ca. 200 nach kurzem Anbremsen auch mal ins Kiesbett geht.

Otto Zinner war dann ebenfalls nicht mehr zu halten und „so ein Gerät muß her“ waren seine Worte.
Schnell hatten wir mit mittlerweile genügend Erfahrung , auf ein Mach1 Kart einen recht preiswert zu bekommenden 1 Zylinder Rotax 257 verbaut, und das Gerät geht auch wie Hölle.
Mittlerweile sind wir alle auf professionelle Fahrwerke umgestiegen , da das Vertrauen in die Bremsen von Kurzbahnkarts nicht besonders groß war und wir auch nicht lebensmüde sind.
Ottos Ausspruch nach dem 1. Renntag war: „ich habe im Laufe meines langen Lebens schon Einiges gefahren und viel erlebt, aber das war das Geilste was ich je gemacht habe.“

Also wird weiter viel geschraubt und ab und zu auch mal gefahren.

Bericht: Klaus Bäcker

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